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Grenzen setzen

Wenn du diesen Beitrag gefunden hast, gehe ich davon aus, dass es für dich nicht zu den leichtesten Übungen gehört „Nein“ zu sagen und für dich Grenzen zu setzen, richtig?

Und wahrscheinlich fallen dir gleich viele Situationen ein, in denen du „Ja“ gesagt hast, obwohl du lieber „Nein“ gesagt hättest. Ich sage dir: Es ist Zeit das zu ändern.

Warum es wichtig ist sich abzugrenzen

Abgrenzen bedeutet im ersten Schritt einfach nur sich selbst mit all seinen Empfindungen und Gefühlen ernst zu nehmen und entsprechend zu handeln. Das klingt doch eigentlich sehr gesund, oder? Für viele von uns ist das Abgrenzen allerdings automatisch mit einem Gefühl des schlechten Gewissens verbunden – vielleicht kennst du das auch von dir selbst. Wir denken, wenn wir auf uns selbst achten sind wir selbstsüchtig und egoistisch. Und tatsächlich erlebe ich, dass Menschen, die gut auf sich achten genau das häufig zu hören bekommen, was die ganze Sache nicht unbedingt einfacher gestaltet. Aber dazu später mehr.

Aber noch mal zurück zum ersten Schritt: Es leuchtet ein, dass jeder Mensch gut für sich selbst sorgen muss. Das Grenzen setzen ist notwendig zur sinnvollen Ausrichtung unserer Selbst, die idealerweise auf unsere eigenen, persönlichen Werte abzielt. Ebenso können andere Menschen uns nur dann wirklich er-kennen, wenn wir authentisch sind.

Warum wir oft keine Grenzen setzen

Menschen, die ihre Grenzen kennen und sie wahren faszinieren und irritieren oft zu gleich. Sie faszinieren, weil sie etwas richtig machen und irritieren, weil sie mutig sind. Grenzen zu setzen bedeutet in unserer Gesellschaft mutig zu sein. Warum? Weil man sich offensichtlich damit gegen andere richtet. Wir denken, wer „Nein“ sagt, richtet sich gegen etwas, im schlimmsten Fall gegen uns. Dem ist allerdings ganz und gar nicht so! Grenzen setzen für sich selbst bedeutet ein „Ja“ zu sich selbst. Die Gefühle, die das in anderen Menschen auslöst sind dann das, was uns denken lässt, dass das Grenzen setzen schlecht ist. Wir werden mit Enttäuschung, Wut oder Traurigkeit konfrontiert. Das wollen wir natürlich nicht und so entsteht schnell ein schlechtes Gewissen, weil wir in einem Dilemma stecken: Wir möchten für uns selbst einstehen aber damit natürlich niemanden verletzen.

Die Fähigkeit sich abzugrenzen lernen wir bereits im Kindesalter, wo wir noch stark abhängig von unseren Eltern sind. Und viele Eltern drohen bei Abgrenzung des Kindes mit Liebesentzug. Du kennst bestimmt diese Sätze wie: „Wenn du das (nicht) tust, dann hab ich dich nicht mehr lieb“ oder „Dann ist Papa/Mama aber traurig“.. usw. Es gibt aber auch weitaus subtilere Formen des Liebesentzugs. In der Phase dieser enormen Abhängigkeit möchten wir natürlich geliebt werden, wir sind sogar darauf angewiesen. Und so lernen wir die eigenen Bedürfnisse und Wünsche hinten anzustellen um der Gefahr, unter Umständen nicht mehr geliebt zu werden, aus dem Weg zu gehen. Wir tun Dinge, die wir eigentlich nicht möchten und so verwischt die Grenze zwischen „Was ist nötig um in einer Gesellschaft zu funktionieren“ und „Ich tue alles, damit es den anderen gut geht“ immer mehr. Denn sicher gibt es Dinge, die wir eben tun, weil sie in einem sozialen Umfeld gefordert werden, die wir aber vielleicht nicht unbedingt gerne tun. Fremden Müll von der Straße aufheben, obwohl es uns ekelt wäre ein Beispiel.

Wir lernen auf dem Weg zum Erwachsenwerden nicht uns sinnvoll und abgemessen abzugrenzen, weil es nicht erwünscht ist. Und obwohl die meisten Eltern ihre Kinder zu starken Persönlichkeiten heranziehen möchten, tun sie doch vieles um genau das zu verhindern. Nicht zuletzt übrigens, weil sie selbst nicht damit umgehen können.

Und so gehört es eben irgendwie zum Leben dazu, die eigenen Grenzen nicht zu wahren und stattdessen aus vermeintlichem Pflichtgefühl Dinge zu tun, die uns eigentlich nicht entsprechen oder unsere Grenzen überschreiten. 

Ich selbst kannte meine eigenen Grenzen übrigens viele, viele Jahre nicht und habe sie erst durch meine Rolle als Mama definieren und später auch einhalten können. Migräne war bei mir ein ganz großer Marker dafür, dass ich mal wieder meine Grenzen überschritten hatte und es hat lange gedauert dieses Muster zu erkennen. Inzwischen leide ich deutlich seltener an Migräne und wenn es doch mal soweit kommt, weiß ich direkt, dass ich offenbar eine Grenze überschritten habe (und muss mich dann nur noch fragen was und warum genau).

Was braucht es um Grenzen zu setzen?

Dazu gehört, dass wir unsere Gefühle und Gedanken nicht ignorieren sondern sie uns bewusst machen. Es ist notwendig uns selbst so richtig gut zu kennen, damit wir wissen was wir mögen, was wir nicht mögen, was wir brauchen und was uns gut tut. Lerne dich also so richtig gut kennen mit all deinen Gefühlen und Gedanken. Nimm dir jeden Tag Zeit um dich zu fragen, wie du dich gerade fühlst und was du wirklich denkst. Lerne dich selbst kennen wie einen Menschen, in den du dich verliebt hast. 

Finde heraus, welche Werte dir im Leben wichtig sind. Worauf möchtest du dich committen? Für welche Werte möchtest du stehen? Übrigens ist die Findung der eigenen Stärken und Werte ein wichtiger Baustein im how2flow Onlinecoaching-Kurs.

Du darfst dich ausprobieren im „Nein“ sagen. Wenn sich etwas nicht richtig anfühlt, lerne „Nein“ zu sagen – und zwar ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Denn ist es nicht für dein eigenes Leben das allerallerwichtigste Gut, dass du dich wohl fühlst? Ist es nicht so unglaublich wichtig, dass andere dich kennenlernen können, genau so wie du wirklich bist mit all deinen Bedürfnissen und Grenzen? Ist nicht deine eigene Meinung die allerwichtigste in deinem Leben? Und ist es nicht von oberster Priorität, dass du dich selbst respektierst?

Es ist okay, wenn andere Menschen enttäuscht sind, weil du deine Grenzen einhälst. Lerne die Gefühle der anderen Menschen als Reaktion auf deine Abgrenzung auszuhalten. Sie haben ja oft selbst nicht gelernt sich abzugrenzen. Sei ihnen ein Vorbild und zeige ihnen, wie wichtig es ist, dass auch sie ihre Grenzen einzuhalten lernen.

Fange direkt an und warte nicht. Sei gut zu dir selbst und lebe das Leben, das DIR gut tut. Du hast dich lange genug an anderen orientiert und du hast sicher festgestellt, dass das dich selbst nicht glücklich macht. Glück und Erfolg sind jedoch das, was du verdient hast. Richte deine Aufmerksamkeit also nun erst einmal auf dich. Erst dann ist es möglich selbst erfüllt zu sein und für andere Menschen da zu sein (ohne die eigenen Grenzen dabei zu überschreiten).

 

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